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Rigorosum Matthias Platzer - 29.01.2020

Jan 29
29. Januar 2020 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr
Seminarraum 2, 00.175, Wetterkreuz 15, Tennenlohe

Abbildung: Software-Infrastruktur von OSM (eigene Darstellung basierend auf: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Component_overview)

Das Wesen und die Bedeutung von Software für Volunteered Geographic Information am Fallbeispiel von OpenStreetMap
Matthias Platzer (geb. Plennert), (FAU, Goethe Universität Frankfurt)

Betreuer: Prof. Dr. Georg Glasze

Im Zuge der Digitalisierung geographischer Inhalte und Prozesse verlor die Karte als zentrales Medium räumlicher Informationen an Bedeutung. Darüber hinaus erfuhr die Herstellung räumlicher Informationen mit dem Aufkommen neuer partizipativer Technologien des Internets abermals einen Umbruch: diese neuen digitalen Technologien – auch bekannt unter dem Begriff Web 2.0 Technologien – führten zu einer rasanten Zunahme geographischer Inhalte, Akteure und Praktiken. In diesem Kontext umschreibt Volunteered Geographic Information (VGI) freiwillig erhobene und beigetragene Geodaten und nimmt eine prominente Rolle innerhalb der Gesamtheit geographischer Inhalte im Internet bzw. des Geowebs ein.

In der sozialwissenschaftlich-kritischen Debatte um VGI fällt dabei jedoch auf, dass sie vorwiegend auf Beiträgen aufbaut, welche sich auf Geodaten fokussieren und dabei digitale Technologien vorwiegend als eine abstrakte Kategorie verhandeln. Es wird also eher nach den Effekten und dem Einfluss von „der“ Technologie gefragt, als die technologischen Artefakte selbst – also die konkreten Softwareanwendungen – zu analysieren. Diese Perspektive läuft Gefahr die Heterogenität und Komplexität der Softwareanwendungen zu vernachlässigen. Daher ist das Ziel dieser Dissertation eine differenziertere Betrachtung von Softwareanwendungen im Kontext von VGI am Beispiel von OpenStreetMap (OSM), eines der erfolgreichsten und prominentesten VGI Projekte. Mit diesem Ansatz sollen machtvolle soziale Fixierungen von bestimmten Kategorisierungen, Abläufen und Prozessen sowie Einschreibungen von Rollen, Aufgaben, Interessen und Ideen in Software offengelegt werden.

Das Dissertationsprojekt zeigte in der Auseinandersetzung mit der Software in OSM den wesentlichen Anteil von Free/Libre Open Source Software (FLOSS) an der Entstehung von Machtasymmetrien: mit seinen spezifischen organisatorischen, kulturellen und sozialen Eigenschaften prägte FLOSS maßgeblich die Genese der Software Infrastruktur – und dadurch mittelbar auch die Herstellung geographischer Inhalte. Die Arbeit argumentiert also, dass die Gestaltung der Software ganz essenziell die Eigenschaften eines VGI Projektes beeinflussen. Dabei ist die Verwendung von FLOSS – obgleich zunächst ein emanzipatorischer Schritt gegenüber dem Einsatz von proprietärer Software – kritisch zu sehen, da sie neue Machtasymmetrien und Ungleichheiten mit sich bringen, die sich in der Komplexität der Software verbergen. Somit werden alte Machtasymmetrien durch neue Machtasymmetrien ersetzt.

Wann: Mittwoch, 29.01.2020 um 11:00 Uhr
Wo: Institut für Geographie, Ort: 00.175 Seminarraum 2, Wetterkreuz 15
Betreuer: Prof. Dr. Georg Glasze

Abbildung:
Software-Infrastruktur von OSM (eigene Darstellung basierend auf: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Component_overview)