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FGG-Vortrag: Die Welt auf Leinwand. Eine kurze Geschichte der Schulwandkarte, ca. 1840 bis 1970. – 01.07.2019

Dr. Norman Henniges (Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt)

Wann: Montag, 01.07.2019 um 18:30 Uhr
Wo: Hörsaal C, Kochstr. 4 (Eingang Hindenburgstraße); Erlangen
Eintritt: € 3,- (Studierende € 1,50; FGG-Mitglieder frei)

Für diesen Vortrag gilt die Kolloquiumsregelung!

Blickt man zurück auf die eigene Schulzeit, tauchen in der Erinnerung die großen Wandkarten von Deutschland, Europa und der Welt auf. Als wichtiges Lehrmittel durften diese sperrigen Ungetüme in keiner Erdkundestunde fehlen und waren auch im Geschichts- und Religionsunterricht dominierende Fixpunkte in jedem Klassenzimmer. Ihre Aufgabe bestand vor allem in der Vermittlung von räumlichem Wissen über die Erde. Mit dem Aufhängen am Kartenständer und dem Ausrollen der Karte entfalteten sich vor den Augen der Kinder neue Erdteile, die von der Heimat in ferne Länder und schließlich zur Erde als Ganzes führten. Anders als der Schulatlas waren Wandkarten mit ihrer markigen Gestaltung, den bunten Farben und den optisch hervorgehobenen Einzelelementen (Gebirge, Flüsse, Grenzen etc.), für den frontalen Gruppenunterricht konzipiert, wodurch jedes Kind auch von der letzten Bankreihe aus das Wesentliche sehen konnte. Im „kurzen“ 20. Jahrhundert überholten sich die Darstellungen bisweilen noch während der Schulzeit. Allein in Mitteleuropa kam es im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch zwei Weltkriege und die deutsche Teilung zu dramatischen Verschiebungen der Ländergrenzen. Die alltägliche Arbeit mit Wandkarten prägte das „Weltbild“ der Schülerinnen und Schüler nicht nur im Hinblick auf die geographische Orientierung, sondern auch ideologisch. Mit Pfeilen, Symbolen, Linien und Farben wurden Szenarien der Bedrohung und der Expansion visualisiert, Gebietsansprüche gestellt und Einflusssphären als vermeintliche Notwendigkeit dargestellt. Somit waren die Karten keineswegs „neutrale“ Abbilder der Wirklichkeit, sondern spiegelten stets auch die gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Ordnungsvorstellungen ihrer jeweiligen Epoche wider.

Kontakt Dr. Norman Henniges und Informationen:

E-Mail: norman.henniges@uni-erfurt.de

https://www.uni-erfurt.de/forschungszentrum-gotha/mitar/ehemalige/dr-norman-henniges/

 

Carl Hertel: Jung-Deutschland in der Schule (Schulstube während des Geografieunterrichts), 1874

FGG-VORTRAGSREIHE Sommersemester 2019

Themenschwerpunkt Frühjahr/Sommer: Neue Beiträge zur Geschichte der Geographie
Moderation: Dr. Boris Michel

Vortragsprogramm der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (in Kooperation mit dem Institut für Geographie der FAU und der Volkshochschule Erlangen).

Die Geographie ist ein Fach mit einer langen Geschichte. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Fachs macht dabei auch vielfach die Gegenwart der Disziplin verständlich. Die Vortragsreihe der FGG im Frühjahr/Sommer 2019 lädt ausgewiesene Expert*innen nach Erlangen ein, die aus aktuellen Forschungen über die Geschichte geographischer Gesellschaften, über die Entwicklung von Kartographie und Geographie in der Schule sowie das Verhältnis von Geographie und Kolonialismus berichten.

Flyer Gesamtprogramm zum Download als pdf-Datei.