Forschungskolloquium KG: Kapitalismus im Weltraum? Wann, wie und warum private Unternehmen die Aktivitäten von Satelliten- und Raketenbetreibern umwälzen – 06.05.2026
Prof Dr. Stephan Kirchner, FAU Erlangen-Nürnberg, Soziologie
Kapitalismus im Weltraum? Wann, wie und warum private Unternehmen die Aktivitäten von Satelliten- und Raketenbetreibern umwälzen
Wann: 06.05.2026
Wo: Seminarraum 00.210, Tennenlohe, Wetterkreuz 15
Moderation: Prof. Dr. Georg Glasze
Seit knapp zehn Jahren beschleunigt sich die Nutzung erdnaher Umlaufbahnen deutlich. LEO-Satelliten, Konstellationen und Kommunikationsmissionen rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit. In Öffentlichkeit und Forschung wird dieser Wandel häufig als „Kommerzialisierung“ gedeutet und mit Unternehmen wie SpaceX oder Blue Origin verknüpft, die jeweils von US-Tech-Milliardären geführt werden. Aus wirtschaftssoziologischer Perspektive fragt der Vortrag, wann, wie und warum privatwirtschaftliche Akteure in dieser Domäne dominant werden und welche neuen Formen des Handelns sie etablieren. Der Vortrag stützt sich dafür auf Neil Fligsteins Feldansatz und analysiert drei eng miteinander verbundene Felder: (1) Satellitenbetreiber, (2) Raketenbetreiber als zentralen Engpass sowie (3) den geopolitischen Rahmen internationaler Weltraumaktivitäten. Anhand umfangreicher Daten zu Satelliten und Raketenstarts zeigt der Vortrag, wie sich dominante Handlungsformen verändern und sich damit Verhältnisse in den Feldern verschieben. Im Ergebnis wird herausgearbeitet, dass aufsteigende private Akteure feldübergreifend eine neue Infrastruktur-Logik im Orbit verfolgen, die Aktivitäten im All auf einer neuen Skala denkbar machen. Kernprozess ist hier also weniger eine „Kommerzialisierung“ als vielmehr die Durchsetzungskraft einer spezifischen, privatwirtschaftlichen Weltsicht, die es ermöglicht, in einem bis dahin ungeahnten Ausmaß Objekte ins Weltall zu befördern und dort zu betreiben. Abschließend diskutiert der Vortrag Konsequenzen für die aktuelle Lage und skizziert zukünftige Forschungsfragen.
Für diesen Vortrag gilt die Kolloquiumsregelung!
Geographie-Studierende, die sich die Teilnahme als „Kolloquium“ anrechnen lassen möchten, melden Sie sich bitte IMMER bis 18 Uhr am Vortag des jeweiligen Vortrages auf StudOn an.

