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Rigorosum Julia Kieslinger – 08.12.2020

Befragung zu Alltagsmobilität 2016

Die Bedeutung von räumlichen (Im)mobilitäten im Kontext sich verändernder Lebenslagen und Lebenswelten: Das Beispiel sozial-ökologischer Transformation in ländlichen Gebieten Ecuadors

Julia Kieslinger (FAU)

Betreuerin: Prof. Dr. Perdita Pohle

Wann: Dienstag, 08.12.2020
Wo: Aufgrund der noch immer geltenden Ausführungsbestimmungen zur Promotionsprüfung vom 20.04.2020 muss die Prüfung leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Ausgangspunkt dieser Untersuchung bildeten Einblicke in die dynamischen und interdisziplinären Forschungsfelder des Umwelt-Migrations-Nexus sowie Migrations-(ländliche) Entwicklungs-Nexus mit Fokus auf Arbeiten im Globalen Süden. In beiden Forschungsfeldern besteht das Interesse darin, die Rolle von Umweltfaktoren als Migrationsursachen zu untersuchen (Hunter et al. 2015; Felgentreff & Pott 2016), wohingegen Feedback-Effekte von Migrationsprozessen in ländlichen Abwanderungsregionen weniger Berücksichtigung finden (Greiner & Sakdapolrak 2013). Ebenso konnte gezeigt werden, dass politische, ökonomische und soziale Kontextfaktoren, die sowohl Ursachen als auch Folgen von Migrationsprozessen beeinflussen, stärker berücksichtigt werden sollten (Black et al. 2011). Dabei besteht bis heute kein Konsens darüber, wie diese kontextuellen Faktoren konzeptualisiert und wie Mensch-Umwelt Beziehungen in Migrationstheorien integriert werden können (Hunter et al. 2015). Gleichzeitig wird Migration zunehmend als eine Form der Anpassung an eine sich verändernde Umwelt und als eine Haushaltsstrategie der Risikominimierung gesehen (McLeman 2014), eine Perspektive die die Handlungsfähigkeit von Migrant*innen widerspiegelt und Migration als einen aktiven Prozess versteht. Obwohl es immer Menschen gegeben hat, die in den untersuchten Abwanderungsregionen geblieben sind, spielt das Phänomen des Bleibens in beiden Forschungsfeldern bis heute – abgesehen von wenigen Ausnahmen (z.B. Mata-Codesal 2015; Ayeb-Karlsson et al. 2020) – kaum eine Rolle.

Mit Hilfe einer lokalen Fallstudie in Süd-Ecuador widmet sich diese Dissertation den genannten Forschungsbedarfen. Dem New Mobilities Paradigm (Sheller & Urry 2006) folgend, nimmt sie die Diversität der Bewegungen von Menschen und das Phänomen des Bleibens als „human (im)mobilities“ in den Blick. Dabei stehen die Sichtweisen der Teilnehmer*innen auf die Zusammenhänge zwischen menschlichen (Im)mobilitäten und sich verändernden Lebenskontexten im Vordergrund. Das Forschungsdesign beruht methodisch-konzeptionell auf dem Paradigma der partizipativen Forschung (Bergold & Thomas 2012; von Unger 2014) und auf Verfahren der Grounded Theory (Glaser & Strauss 1967; Charmaz 2006). Außerdem wurden neue Strategien und Methodentools erarbeitet, die ein besonderes Augenmerk auf die Beteiligung von Akteur*innen, die Verringerung von Machtasymmetrien und die Immersion ins Feld legten. Abschließend konnte ein neuer konzeptioneller Rahmen basierend auf dem New Mobilities Paradigm (Sheller & Urry 2006) und den Konzepten der Lebenslage und Lebenswelt (Kraus 2015) entwickelt werden, der sowohl das eigenständige Handeln als auch die kontextuellen Faktoren in Wechselbeziehungen zwischen Migration, Umwelt und ländlicher Entwicklung adressiert.