Rigorosum Karola Schober – 28.07.2021

Symbolbild zum Artikel. Der Link öffnet das Bild in einer großen Anzeige.

Regionale Produkte in Europa

Karola Schober (FAU)

Betreuer: Prof. Dr. Tobias Chilla

Wann: Mittwoch, 28. Juli 2021
Wo: Aufgrund der noch immer geltenden Ausführungsbestimmungen zur Promotionsprüfung muss die Prüfung leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Der EU-Herkunftsschutz ist eine Möglichkeit, regionale Lebensmittel durch eine Siegelauslobung zu fördern – auf europäischer Ebene die Möglichkeit. Im Kern handelt es sich um ein im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Jahr 1992 eingeführtes, exklusives Recht für traditionelle Lebensmittelhersteller, bestimmte, mit geographischen Gebieten verbundene Produktbezeichnungen zu nutzen (Verordnung (EU) 2082/1992; heute: Verordnung (EU) 1151/2012). Mit einem Anteil von 7 % am EU-Lebensmittelsektor bilden herkunftsgeschützte Produkte den Spezialitätenmarkt ab.
Entsprechend wird das Herkunftsschutzsystem in verschiedenen politischen Handlungsfeldern (Agrar-, Wettbewerbs- und Verbraucherpolitik) sowie in den wissenschaftlichen Debatten v.a. um Lebensmittelqualität und Regionalentwicklung diskutiert.
Die Zahl geschützter geographischer Bezeichnungen bzw. auch deren Anerkennung außerhalb der EU (bspw. durch Freihandelsabkommen) nimmt kontinuierlich zu. Das ursprünglich auf dem französischen Weinrecht bzw. „Edel-Agrarwirtschaft“ basierende System wird vor allem von den süd- und westeuropäischen EU-Staaten genutzt.

Die vorliegende Arbeit sieht sich als kultur- und wirtschaftsgeographischer Beitrag, der sich systematisch mit den Entwicklungen bzw. Pfadabhängigkeiten auf Programmebene und den Relationalitäten (hier im nationalen Kontext Deutschlands) sowie der Rolle diskursiver räumlicher Bezüge in diesen Prozessen auseinandersetzt. Ziel war also, raumbezogene Institutionalisierungen beim EU-Herkunftsschutz näher zu charakterisieren. Als konzeptioneller Ansatzpunkt bot sich hier die Debatte um Soft Spaces an, da in dieser die Veränderbarkeit von Räumen aus einem analytisch-raumplanerischen und anwendungsorientierten Verständnis heraus betont wird.

Die qualitativ-explorative Untersuchung basiert auf dem induktiv-deduktiven Vorgehen, das für die (Reflexive) Grounded Theory charakteristisch ist. Die Ergebnisse beruhen auf einem Methodenmix:

  1. Auswertung sekundärstatistischer Daten
  2. breit angelegte Dokumentenanalyse (v. a. Rechtsgrundlage und juristische
    Bewertungen)
  3. teilnehmende Beobachtung (26 Veranstaltungen und Fachgespräche, Forschungstagebuch)
  4. 49 Experteninterviews

Der Erhebungs- bzw. Analysezeitraum lag schwerpunktmäßig zwischen Januar 2019 und Oktober 2020. Die Daten wurden softwaregestützt mit MaxQDA ausgewertet. Für die Analyse wurde im Laufe des Prozesses eine Toolbox entwickelt, welche auch auf institutionen- und diskurstheoretischen Konzepten basiert.

 

  • in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.