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Rigorosum Wolfgang Meier – 14.12.2020

Foto: W. Meier

Past and recent climate variability and glacier fluctuations across the Southern Patagonian Andes. A multi-parameter approach using tree-ring parameters and remote sensing.

Historische und rezente Klimavariabilität und Gletscherschwankungen in den südlichen Patagonischen Anden. Ein Multi-Parameter Ansatz, basierend auf Jahrringparametern und Fernerkundung.

Wolfgang Meier (FAU)

Betreuer: PD Dr. Jussi Grießinger

Wann: Montag, 14.12.2020
Wo: Aufgrund der noch immer geltenden Ausführungsbestimmungen zur Promotionsprüfung vom 20.04.2020 muss die Prüfung leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Der markante Anstieg der globalen Oberflächentemperatur seit dem späten 19. Jahrhundert, und insbesondere während der letzten Jahrzehnte, ist im Vergleich zum langfristigen Klimaverlauf beispiellos und löst erhebliche Veränderungen in der Hydro‑, Bio- und Kryosphäre der Hochgebirgssysteme aus. Die temperierten Gletscher des südlichsten Südamerikas (Patagonien) reagieren äußerst sensitiv auf die rezenten klimatischen Veränderungen. Auf Grund der Abgeschiedenheit und schwierigen Erreichbarkeit der fjordreichen Regionen Südpatagoniens wurden bisher nur wenige Fallstudien durchgeführt, die die räumliche und zeitliche Komponente der Klima- und Gletschervariabilität untersuchen. Besonders der Spätholozäne Zeitraum, bevor eine kontinuierliche Abdeckung mit Satellitendaten möglich war, weist noch erhebliche Informationslücken auf.

Mit Hilfe eines Multi-Proxy- und Multi-Parameter-Ansatz sollen vertiefte Kenntnisse über vergangene und gegenwärtige Klima- und Gletscherschwankungen in den südlichen Anden gewonnen werden. Anhand der fernerkundlichen Analyse multispektraler Satellitenbilder wurden raum-zeitlich konsistente Informationen über die Gletschervariabilität seit der „kleinen Eiszeit“ und der vergangenen Dekaden gewonnen welche regionale Kontraste, insbesondere zwischen den luv- und leeseitigen Regionen der Patagonischen Anden, unterstreichen. Mittels dendroglaziologischen und radiometrischen (14C) Datierungsmethoden können die verhältnismäßig wenigen und fragmentierten Informationen zur Gletschervariabilität im fjordreichen südwestlichen Feuerland während der vergangenen 2300 Jahre rekonstruiert und in einen großräumigen Kontext gesetzt werden. Zur Analyse und Evaluation von klimatischen Veränderungen und den zugrundeliegenden Antriebskräften wurden mehrere hundert Bohrkerne der Südbuche (Nothofagaceae) von der luvseitigen (humiden) und von der weniger humiden Leeseite der Südpatagonischen Anden gesammelt. Das Klimasignal, das durch die Jahrringbreitenchronologien widergespiegelt wird, wird von lokalklimatischen oder standortspezifischen Einflussgrößen dominiert. Dagegen zeigen stabile Sauerstoffisotope, extrahiert aus der Jahrringzellulose (δ18O), eine starke Abhängigkeit von großräumigen atmosphärischen Zirkulationsmustern, sowie eine hohe Sensitivität zu Temperatur- und Niederschlagsschwankungen. Dieser klimasensitive δ18O Proxy liefert wertvolle Einblicke und ein besseres Verständnis zur Lage und Intensität des südhemisphärischen Westwindsystems, welches wiederum maßgeblich für Änderungen in der Kryosphäre ist.