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Karola Schober, M.A.

Department Geographie und Geowissenschaften
Institut für Geographie

Raum: Raum 2.199
Wetterkreuz 15
91058 Erlangen

Doktorandin in der Arbeitsgruppe Regionalentwicklung von Prof. Dr. Tobias Chilla

Aktuelles aus Forschung und Lehre finden Sie auf unserem Blog:

www.regionalentwicklung.bayern

  • seit November 2016: Promotionsvorhaben „Regionale Produkte in Europa“
  • seit April 2018 gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes

zuvor:

  • Referentin für Regionalmarketing am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • Studium der Kulturgeographie (FAU Erlangen-Nürnberg), Masterarbeit zum Thema „Europäischer Herkunftsschutz – Fallbeispiele aus Bayern“, ausgezeichnet mit dem FGG-Preis
  • Studiengang „Management sozialer Innovationen“ (Hochschule München), Masterarbeit zum Thema „Verantwortung in der bayerischen Ernährungswirtschaft“

Regionale Produkte in Europa

Räumliche Rekonfigurationsprozesse beim Europäischen Herkunftsschutz

Die Untersuchung der räumlichen Rekonfigurationsprozesse beim EU-Herkunftsschutzsystem orientiert sich an der politikwissenschaftlichen Europäisierungsforschung und stellt dabei die geographischen Kernkategorien Raum und Maßstab in den Mittelpunkt. Diese Verbindung liegt nahe, weil das EU-Herkunftsschutzsystem als exklusives Nutzungsrecht, Raumbezüge herzustellen, sozusagen einen ur-geographischen Untersuchungsgegenstand darstellt. Zudem emergiert es aus einem europäischen Gedanken heraus, dringt aber skalenübergreifend durch bis zur lokalen Ebene, wo Regionalisierungsprozesse in Gang gesetzt werden, es verändert die Möglichkeit diskursiver räumlicher Bezugnahmen und definiert dadurch Akteursrollen und gesellschaftliche Machtpositionen neu.

Konzeptionell setzt sich die Arbeit erstens kritisch mit der Raum- und Skalierungsdebatte auseinander, und zeigt die Potenziale einer analytisch-anwendungsorientierten Grundhaltung. Sie schließt dann zweitens an das relativ offene, sich ebenfalls im Bereich der Europäisierungsforschung entfaltende Konzept der Soft Spaces an, das die Veränderbarkeit von Räumen betont und ergänzt dieses um einen stärker institutionentheoretischen Blickwinkel.

Der EU-Geoschutz wird in verschiedenen politischen Handlungsfeldern als auch in der (von teilweise normativen Grundannahmen geprägten) wissenschaftlichen Debatte sowohl als ermöglichende als auch hemmende Struktur diskutiert. Insb. die Humangeographen Ulrich Ermann (2005, 2018) und Damian Maye (2017) haben den fachinternen Diskurs geöffnet. Auch lieferte die raumwissenschaftliche Kulturforschung (May 2016, May/Tschofen 2016) bereits raumsensible Erkenntnisse zum EU-Herkunftsschutz. Der Mehrwert dieses Projekts liegt in der Beschäftigung auf Programmebene bzw. der Generierung des Big Pictures der räumlichen Rekonfigurationsprozesse – das produktbereichs-, skalen- und disziplinübergreifend ansetzt.

Die untersuchungsleitende Fragestellung lautet daher:

Wie lassen sich räumliche Rekonfigurationsprozesse beim Europäischen Herkunftsschutz näher charakterisieren?

Um die Frage zu beantworten, wurde mithilfe des iterativ-hermeneutischen Zirkels eine institutionentheoretische Toolbox der Soft-Spaces-Analyse entwickelt und die Frage ausdifferenziert und operationalisiert. Die empirischen Daten können so in Bezug auf Kompetenzen, Ressourcen und Kontrollinstitutionen ebenso betrachtet werden, wie ihre Legitimierungsprozesse und dahinter stehende Akteursinteressen.

Die qualitative Untersuchung basiert methodisch auf 62 qualitativen Experteninterviews, Dokumentenanalysen (insb. rechtliche Grundlagen und juristische Bewertungen), Literaturrecherchen, sekundärstatistischen Auswertungen, teilnehmender Beobachtung (26 Veranstaltungen und Fachgespräche) und dem Führen eines Forschungstagebuchs (Marketingkonzeption für die bayerischen herkunftsgeschützten Produkte im Auftrag des StMELF sowie insg. ca. 3 Monate Forschungsaufenthalt in Brüssel).

Erste Analyseergebnisse legen u. a. den Schluss nahe, dass räumliche Rekonfigurationsprozesse im EU-Herkunftsschutzsystem

  1. auf der Diskursstrangverschränkung der Begriffe „Qualität“ und „Herkunft“ basieren,
  2. von nationalen und regionalen (Wirtschafts-)Interessen gestaltet werden,
  3. die Sprecherrolle der EU (Europäische Integration) stärken, auch gegenüber dem Weltmarkt (globale Integration).

Mit dem Abschluss des von der Studienstiftung des deutschen Volkes e. V. geförderten Projekts wird im Herbst 2020 gerechnet.

Stand: 14.07.2020