AG Kulturelle/Politische/Digitale Geographien (Glasze)

Die Forschungsarbeiten in der AG Kulturelle/Politische/Digitale Geographien verbindet eine diskurstheoretisch orientierte Perspektive auf gesellschaftliche Räume, die diese als immer in spezifischer Weise hergestellt, potenziell umstritten und in diesem Sinne als kulturell und politisch fasst

 

Beiträge zur Diskursforschung in der Geographie

Wir entwickeln Beiträge zur theoretischen und methodischen Weiterentwicklung der Diskursforschung in der Geographie. Dabei orientieren wir uns an einem „weiten“ Konzept von Diskurs, das über Sprache und Symbole hinausgeht. Die Herstellung und Transformation von gesellschaftlichen Räumen und letztlich gesellschaftlichen Wirklichkeiten erforschen wir als multimodales Zusammenwirken aus stabilisierenden und aufbrechenden, wiederholten und ereignishaften, sprachlichen und nicht-sprachlichen Relationen. Dabei suchen wir den Austausch mit theoretischen Ansätzen, die den Blick auf sozio-technische, materielle und körperlich-praktische Relationen richten.

Baumann, C., Tijé-Dra, A. und Winkler, J. (2015): Geographien zwischen Diskurs und Praxis – Mit Wittgenstein Anknüpfungspunkte von Diskurs- und Praxistheorie denken. In: Geogr. Helv. 70(3), 225–237.

Bittner, C., Glasze, G. und Turk, C. (2013): Tracing contingencies: analyzing the political in assemblages of web 2.0 cartographies. In: GeoJournal 78(6), 935–948.

Glasze, G. und Mattissek, A. (2021): Handbuch Diskurs und Raum. Theorien und Methoden für die Humangeographie sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung. 3. erweit. und aktual. Auflage. Bielefeld: Transcript.

Mattissek, A. und Glasze, G. (2016): Discourse analysis in German-language human geography: integrating theory and method. In: RSCG 17(1), 39–51.

 

Thematisch verdichten sich unsere Forschungsarbeiten in drei Feldern

Kulturelle und politische Geographien der digitalen Transformation

Kulturelle und Politische Geographien der Digitalen Transformation

Die als „digitale Transformation“ bzw. teilweise auch als „digitale Revolution“ bezeichneten sozio-technischen Umbrüche verändern Geographien grundlegend. Am Erlanger Lehrstuhl für Kulturgeographie untersuchen wir diese Umbrüche auseiner kultur-, sozial-, und politisch-geographischen Perspektive. Innerhalb der deutschsprachigen Geographie haben wir gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen den Forschungszusammenhang einer „Digitalen Geographie“ aufgebaut undsind in diesem Feld vielfach international und interdisziplinär vernetzt.

Projekte:

Diskurse und Praktiken "digitaler Souveränität" (EFI Forschungskonsortium)

Digitale Technologien bringen eine zunehmende Datafizierung mit sich und ermöglichen eine wachsende Lesbarkeit individueller, sozialer und soziotechnischer Prozesse. Vor diesem Hintergrund werden Fragen des Zugangs, des Eigentums und des Schutzes von Daten, d.h. Fragen der Konfigurierung von Datenströmen verhandelt – oft unter dem Label einer „digitalen Souveränität“.

„Souveränität“, der „souveräne Staat“, das „souveräne Subjekt“ und die „souveräne Organisation“ sind grundlegende Konzepte der (europäischen) Moderne. Die Vorstellung von Souveränität als eine Form der absoluten Selbstbestimmung wurde jedoch von vielen Autoren als normatives Ideal kritisiert – als Mythos. In dem Projekt soll ausgelotet werden, inwieweit eine Konzeption von Souveränität als relational Souveränität de-essentialisiert, damit Souveränität als sozial verstanden werden kann und auf dieser Basis Auseinandersetzungen über (potenziell widerstreitende) Souveränitäts-Ansprüche untersucht werden können.

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Diskurse und Praktiken digitaler Souveränität“ zielt darauf ab, (I) die Debatte über „digitale Souveränität“ zu analysieren, ein Konzept von Souveränität als relational zu entwickeln und dieses Konzept in Austausch mit etablierten disziplinären Debatten über das Konzept der Souveränität zu bringen. Die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit der Frage „Was ist digitale Souveränität?“ dienen als übergreifender Rahmen für eine Reihe von empirischen Studien. In neun empirischen Forschungsbereichen (II) werden neue Konfigurierungen der Datenzirkulation untersucht (siehe Abb.).

Diese Studien interagieren entlang von vier Forschungsachsen: Zunächst wird verglichen, wie Souveränitäts-Ansprüche von den Akteuren in den jeweiligen Bereichen artikuliert werden und inwieweit das Konzept einer relationalen Souveränität hilft, diese empirischen Fälle zu verstehen. Zweitens wird in mehreren Studien untersucht, inwieweit die intensivierte Datafizierung die (Daten-)Lesbarkeit individueller, sozialer und soziotechnischer Prozesse erhöht und wie diese wachsenden Datenlesbarkeiten sozioökonomische und sozio-politische Prozesse transformieren, Innovationen ermöglichen und etablierte Strukturen herausfordern. Drittens sind die Intensivierung der Datafizierung und die zunehmenden Lesbarkeiten eng mit den Konfliktfeldern von (Konzepten und Praktiken) des Datenzugangs, des Dateneigentums und des Datenschutzes verbunden. Mindestens vier der neun empirischen Studien befassen sich mit diesen politischen Ökonomien von Daten. Nicht zuletzt stellen die Intensivierung der Datenerfassung und die Erhöhung der Lesbarkeit eine Herausforderung für die individuellen und organisatorischen Kompetenzen im Umgang mit Daten dar. So werden sich schließlich fünf Projekte mit Fragen der Datenkompetenz befassen.

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Exklusionen in volunteered geographic information (VGI) - Fortsetzungsantrag: Geodaten von lokalen ExpertInnen? Eine Auseinandersetzung mit der Annahme von localness in VGI am Beispiel von OpenStreetMap (OSM)

Geographische Informationen werden im Web 2.0 zunehmend kollaborativ und freiwillig, durch selbst-organisierte online communities generiert. Durch diesen „laienhaften“ bottom-up-Charakter unterscheiden sich „volunteered geographic information“ (VGI) von „konventionellen“ Geodaten, die i.d.R. in spezialisierten Organisationen von professionellen ExpertInnen produziert werden. Diese Entwicklungen sind teilweise als eine „Öffnung“ und „Demokratisierung der Kartographie“ begrüßt worden, als ein Abbau von Zugangsbarrieren zur Herstellung von Karten und Geodaten und damit letztlich von geographischen Informationen und Wissen über die Welt. Das laufende Forschungsprojekt „Exklusionen in volunteered geographic information (VGI): OpenStreetMap und Wikimapia in Israel/Palästina“ konnte zu dieser Debatte einen kritischen Beitrag leisten, indem es Formen sozialer Ungleichheit und Exklusionsmechanismen in VGI ausleuchtete. Als Fallbeispiele dienten die VGI-Plattformen OpenStreetMap (OSM) und Wikimapia im regionalen Kontext Israels und Palästinas, dessen Geschichte von umkämpften und antagonistischen Kartographien durchzogen ist. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass VGI von ökonomischen, technischen und kulturellen Exklusionsmechanismen geprägt sind, die je nach sozio-geographischem Kontext unterschiedlich ausgeprägt sein können. So unterscheiden sich die Entstehungshintergründe von OSM und Wikimapia in Israel und Palästina grundlegend voneinander. Je nach VGI-Form und regionalem Kontext schreiben sich somit auch verschiedene soziale Ungleichheiten und Voreingenommenheiten in VGI-Daten ein.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die lokale Authentizität von VGI, die sich maßgeblich aus dem Grad der Beteiligung lokaler Expertinnen an der Herstellung der Daten ergibt. Ein zentrales Ergebnis unserer empirischen Forschung ist, dass die Geodaten in OSM in Israel ganz überwiegend von einer aktiven OSM-community vor Ort produziert wurden (und werden) – in Palästina hat sich hingegen bis heute keine Gemeinschaft lokaler „mapper“ in OSM etabliert. Die Geodaten in OSM zu Palästina lassen sich in hohem Maße auf Initiativen aus dem Kontext der humanitären Entwicklungs- und Katastrophenhilfe zurückführen – wurden also überwiegend von ExpertInnen produziert, die nicht in der Region zu Hause sind. Die Annahme, dass die geographischen Informationen in VGI in hohem Maße von Menschen „vor Ort“, d. h. von „lokalen ExpertInnen“ generiert werden, ist ein zentrales Argument in der Debatte um die gesellschaftlichen Chancen von VGI. Die auf diese Weise „lokal“ produzierten Geodaten seien in besonders hohem Maße authentisch. Die kritische Auseinandersetzung mit VGI geht gleichzeitig zumindest implizit von der Annahme aus, dass Exklusionen in VGI genau dort vorherrschen, wo Daten von ortsunkundigen Personen aus der Ferne produziert werden (remoteness). Obwohl sich die Annahme einer hohen (und normativ wünschenswerten) localness von VGI-Daten durch die gesamte Debatte über VGI zieht, ist diese localness bislang wenig reflektiert und kaum überprüft worden.

Angesichts der grundlegenden Bedeutung der localness-Annahme für die Frage, wie sich die Bedingungen der Herstellung geographischer Informationen im Web 2.0 verändern, möchten wir in Fortführung unserer Arbeiten zu VGI in Israel/Palästina im Rahmen einer Projektverlängerung eine globale und vergleichende Untersuchung leisten, die sowohl die empirische Gültigkeit, als auch die Normativität des Konzepts „localness“ analysiert und hinterfragt.

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Modul für Science Center Experimenta: Konzeption eines Web 2.0 Kartographie Moduls für das Science Center Experimenta (Heilbronn)

Digitale Geographien - Lehr- und Forschungskooperation zwischen der Kulturgeographie an der FAU Erlangen-Nürnberg und Universitäten in Kanada (Ontario & Québec)

Exklusionen in volunteered geographic information (VGI): OpenStreetMap und WikiMapia in Israel/Palästina

Volunteered geographic information (VGI) d. h. die freiwillige und unbezahlte Sammlung von Geodaten im interaktiven web 2.0, wurde teilweise als Chance interpretiert, bislang marginalisierten Stimmen Zugang zur Erstellung und Verbreitung von geographischen Informationen zu eröffnen. Allerdings wurde die Vorstellung, dass im web 2.0 jede/jeder an der Herstellung von geographischen Informationen mitwirken kann, bereits früh hinterfragt und auf verschiedene soziale und sozio-technische Formen der E…

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Aufbau des "Geodatenzentrums Erlangen" als Infrastruktur für die kulturgeographische und die weitere sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung zu und mit Geodaten

Zur ‚Lesbarmachung‘ und Produktion von Kalkulierbarkeit städtischer Räume: ein kritischer Blick auf Smart Cities

Im Rahmen desPromotionsvorhabens beschäftigt sich Christian Eichenmüller mit der Lesbarkeit und Kalkulierbarkeit städtischer Räume, die im Kontext der Digitalisierung städtischer Infrastruktur einen neuen Schub erfährt. Das Ausmaß von ‚Lesbarmachung‘ und Kalkulierbarkeit städtischer Räume ist nicht einfach gegeben, sondern wird aktiv produziert. Zur Lesbar- und Sichtbarmachung und zur Herstellung von Kalkulierbarkeit urbaner Räume bedarf es Einheiten, die identifiziert, dokumentiert, gezählt und ü…

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techné: Campusnetzwerk Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften

Digitaler Campus Bayern

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Die Transformation des menschlichen Wissen in strukturierte Daten – soziale Dimensionen von Wikidata

Einleitung: die soziale „Gemachtheit“ von Wikidata

Wikidata ist eine
offene Datenbank mit dem Ziel, sämtliches Wissen in strukturierter Form
zusammenzustellen. Das angestrebte Forschungsprojekt hat den Anspruch,
soziale Ungleichheiten und Voreingenommenheiten von Wikidata zu untersuchen.

Wikidata ist Teil
der „Wikimedia Foundation“, die verschiedene Projekte zur Sammlung freier
Inhalte (darunter die Online-Enzyklopädie Wikipedia) unterstützt. Obwohl die
Umsetzung von Wikidata schon seit 2004 diskutiert worden ist, wurde die
Datenbank erst 2012 offiziell gestartet und zur Bearbeitung frei gegeben. Mit
seinem Ansatz, Wissen durch strukturierte und verknüpfte Daten verfügbar zu
machen und durch Verlinkungen mit anderen Wissensbeständen zu verbinden, ist
Wikidata zu einem wichtigen Baustein in der Architektur der Informations- und
Netzwerkgesellschaft geworden (siehe unten). Nicht zuletzt im Angesicht der
wachsenden Größe von Wikidata (aktuell haben über 17.000 Nutzer mehr als 25
Millionen Wissenselemente beigetragen) ist es verwunderlich, dass das Projekt
bislang weder im gesellschaftlichen Diskurs, noch in der
(sozial)wissenschaftlichen Reflektion ausreichend thematisiert worden ist.
Während anderen kollaborativen Datenbankprojekten, wie Wikipedia, Flickr oder
OpenStreetMap bereits eine hohe akademische Aufmerksamkeit zuteilwurde, ist
Wikidata bislang weitgehend unterforscht geblieben. So liefert die
wissenschaftliche Suchmaschine „Scopus“ zum Zeitpunkt der Antragstellung
lediglich 68 Treffer zu Wikidata, bei denen es sich vorwiegend um
informationswissenschaftliche Konferenzbeiträge handelt (zum Vergleich: der
Suchbegriff „Wikipedia“ liefert 6.651 Treffer, „Flickr“ liefert  2.385 Ergebnisse und „OpenStreetMap“ kommt
immerhin auf 638 Einträge). Das geplante Forschungsprojekt hat das Ziel,
durch eine kritisch-sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wikidata
zur Schließung dieser Forschungslücke beizutragen. Das Projekt knüpft an
generelle Debatten um den digitalem Wandel, Fragen einer zunehmenden datafication von Gesellschaft und den
Stellenwert von big data an, indem
es die soziale „Gemachtheit“ von Wikidata herausarbeiten will.

Um diesen Fragen
nachzugehen, baut das Forschungsprojekt in methodischer Hinsicht auf der abgeschlossenen
Dissertation mit dem Titel „Soziale Dimensionen von Web 2.0-Kartographien – OpenStreetMap
und Wikimapia in Israel und Palästina“ auf. Hier wurde ein mixed methods-Ansatz verfolgt, bei dem
qualitative Dokumentenanalysen und Interviews mit community-MitgliederInnen einerseits mit quantitativen
Datenbankauswertungen, wie explorativen data
mining
-Strategien, statistischen Methoden, räumlichen Analysen mit
geographischen Informationssystemen (GIS) und Geovisualilsierungen
andererseits verknüpft wurden. Während das Dissertationsprojekt soziale
Dimensionen von kartographischen Datenbanken erforscht hat, handelt es sich
bei Wikidata jedoch um eine weitaus offenere und umfassendere
Wissenssammlung.

 

Wie funktioniert Wikidata?

Wikidata sammelt
Wissen in Form von strukturierten Daten, die von Menschen und Maschinen
gleichermaßen erstellt und gelesen werden können. In Wikidata können
Wissensobjekte (items) zu jeglichen
Phänomenen hinterlegt werden, seien es Fakten zu materiellen Erscheinungen,
wie dem Drucker (wikidata.org/wiki/Q82) oder dem „Mount Everest“ (wikidata.org/wiki/Q513)
oder abstrakte Konzepte, wie Freundschaft (wikidata.org/wiki/Q491) oder
Rassismus (wikidata.org/wiki/Q8461). Neben einer kurzen Beschreibung werden
Wissensobjekte in Wikidata  mit einer
unbegrenzten Anzahl von Aussagen (statements)
beschrieben. Jede dieser Aussagen besteht aus einer Behauptung und möglichst
einer Quelle, die diese Behauptung stützt. Das Wissenselement „Erlangen“ (wikidata.org/
wiki/Q3126) wird beispielsweise beschrieben als „large city in Bavaria“ und
ist mit einer großen Anzahl von statements
versehen, wie der Einwohnerzahl zu verschiedenen Zeitpunkten, einer
Auflistung aller Bürgermeister mit den jeweiligen Amtsperioden, der
Information, dass das Autokennzeichen der Stadt „ER“ lautet und vielen
weiteren Aussagen. Ein weiterer zentraler Aspekt der Datenstruktur von
Wikidata ist die Verknüpfung der items
untereinander. Wenn beispielsweise Erlangen als Teil Bayerns beschrieben
wird, verweist dieses statement auf
das item „Bayern“, was wiederum ein
Teil von „Deutschland“ ist und so weiter. Der aktuelle Bürgermeister „Florian
Janik“  wird ebenfalls durch ein
eigenes Wissenselement repräsentiert, dass ihn als Mensch, männlich,
Politiker u.v.m. beschreibt (wikidata.org/wiki/ Q15987145).

Hinter der Datenbank
von Wikidata steht eine community
aus freiwilligen Beitragenden, die die Daten kontinuierlich ergänzen und
pflegen. Die Datenbank wiederum wird unter einer freien Lizenz zur Verfügung
gestellt und kann von jedermann über offene Schnittstellen (APIs) abgefragt,
oder direkt vollständig als so genanntes dump
heruntergeladen und in eine lokale Datenbank überführt werden.

Das Hauptanliegen
von Wikidata war zunächst, die Wikipedia durch eine Datenbank mit
strukturiertem Wissen zu unterstützen. Die Nutzungspotentiale von Wikidata
gehen jedoch weit darüber hinaus. Aus den Daten können zum Beispiel sehr
komplexe Informationen generiert werden, wie etwa eine Liste der 20 größten
Städte Europas mit weiblichen Bürgermeisterinnen. Wikidata forciert zudem die
Verlinkung der items zu
entsprechenden Einträgen in anderen Dokumentsammlungen wie  Datenbanken, Archiven oder Bibliotheken und
fungiert somit als eine Schnittstelle, die unterschiedlichste Wissensbestände
miteinander verbindet. Google bezieht für seinen knowledge graph, also die eingeblendeten Infoboxen zu bestimmten
Suchanfragen, teilweise Daten aus Wikidata. Im Jahr 2015 hat Google sogar das
eigene Konkurrenzprojekt „Freebase “ eingestellt und die darin gesammelten
Daten Wikidata überlassen, mit dem Eingeständnis, dass Wikidata ein
nachhaltigeres Konzept für eine solches Datenbankprojekt habe. Wikidata ist
also zu einem Teil der als „semantic
web
“ bezeichneten digitalen Infrastruktur geworden, die Wissenselemente
miteinander verknüpft und in verschiedensten Kontexten verfügbar macht.

 

Forschungsziele und Projektdurchführung

Ein nicht zuletzt
durch Beiträge aus der Sozial- und Kulturgeographie geprägtes Forschungsfeld
hat wiederholt darauf hingewiesen, dass durch crowdsourcing erzeugte Daten in hohem Maße durch
gesellschaftliche Ungleichheiten geprägt sind.  Dies gilt sowohl für sozio-demographische
Zusammensetzung der communities als
auch für die Daten selber, die
häufig geographisch, linguistisch und inhaltlich verzerrt sind. So liegt
beispielsweise in Geodatenbanken wie OpenStreetMap deutlich mehr Datenmaterial
zu Europa und Nordamerika vor als zu periphereren Regionen; die
Wikipedia-Versionen westlicher Sprachgemeinschaften sind weitaus
umfangreicher als andere und beinhalten auch in anderen Sprachen oft mehr
Wissen über die „Westliche Welt“ als über andere Regionen. Während also
bereits viele Erkenntnisse zur gesellschaftlichen Strukturierung anderer
großer crowdsourcing-Projekte
vorliegen, wissen wir bislang kaum etwas über die sozialen Dimensionen von
Wikidata: wie setzen sich die Beitragenden
zusammen? Welche Hierarchien, Konflikte und Machtverhältnisse
strukturieren diese community? Welche
Muster von thematischen, räumlichen, linguistischen und zeitlichen
Ungleichheiten schreiben sich in die Daten ein? Darüber hinaus wirft Wikidata
auch die grundsätzliche Frage zu den gesellschaftlichen Implikationen einer datafication auf. Was bedeutet es,
wenn Wissen radikal abstrahiert und zu dekontextualisierten Fakten und
semantischen Verknüpfungen transformiert wird?

Im Forschungsprojekt
sollen solche gesellschaftlichen Dimensionen von Wikidata durch ein mixed-methods-Forschungsdesign
untersucht werden. Die Daten von Wikidata werden anhand von data mining, Statistik und räumlichen
GIS-Analysen erforscht. Dabei werden auch neue Abfragen und Analysemethoden
entwickelt. Diese Verfahren werden mit qualitativen Interviews von community-Mitgliedern und mit
Auswertungen von Diskussionen auf online-Foren oder Mailing-Listen
zusammengeführt. Diese Verbindung unterschiedlicher empirischer Zugänge, so
die Erwartung, generiert einen gleichermaßen vielschichtigen und
kontextsensiblen Materialkorpus zu den sozialen Dimensionen von Wikidata.

Mit seinem Fokus auf
gesellschaftliche Aspekte des digitalen Wandels und mit der Entwicklung neuer
Analyseverfahren für digitale Daten steht das Projekt in einer Linie mit dem neuen
FAU-Forschungsschwerpunkt „Elektronik, Daten-Analytik und digitale
Transformation“ und leistet somit einen vielversprechenden Beitrag zur
Profilbildung der FAU Erlangen-Nürnberg.

Das Projekt wird in
enger Zusammenarbeit mit dem Erlanger Lehrstuhl für Kulturgeographie und dem
neuen „GeoDatenZentrum Erlangen“ geplant und durchgeführt. Zudem bestehen
zahlreiche Anknüpfungspunkte zum „Interdisziplinären Zentrum für Digitale
Geistes- und Kulturwissenschaften“.

In der beantragten
Förderperiode von Oktober 2017 bis Mai 2018 soll zunächst eine explorative
Studie durchgeführt werden, die auf ersten Datenbankanalysen beruht, sowie
auf Interviews mit MitarbeiterInnen der Sektion „Wikimedia Deutschland“ mit
Sitz in Berlin, die federführend an der Entwicklung von Wikidata beteiligt
ist.

Auf Basis dieser
ersten empirischen Arbeiten wird der Antragsteller zum einen bis Januar 2018
einen Artikel für die Zeitschrift „Big Data and Society“ verfassen. Zum
anderen soll auf Grundlage dieser Erfahrungen ein Projektantrag auf eine Sachmittelförderung
der Deutschen Forschungsgemeinschaft entwickelt werden (angestrebter Termin
zur Einreichung ist Mai 2018, geplanter Projektbeginn ist Januar 2019).

Mehr Informationen

Diskurse und Praktiken digitaler Souveränität in Deutschland, Frankreich und Europa (Deutsch-Französische Hochschule, DFH)

Digitale Geographien: Geodaten - Code - Gesellschaft (DFG Wissenschaftsnetz)

Beteiligte Wissenschaftler:

Publikationen:

Kulturelle und politische Geographien der Stadt

Kulturelle und Politische Geographien der Stadt

Städte sind Orte, an denen sich gesellschaftliche Dynamiken verdichten. Hier treffen gesellschaftliche Differenzlinien aufeinander und werden ausgehandelt. Hier stellen sich Fragen der Gestaltung und Steuerung des Zusammenlebens in nuancierter Form.

Projekte:

Konfigurierungen von Islam und Muslimen auf lokaler Ebene in Deutschland

Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass der Islam und die Muslime in der durch Migration geprägten Gesellschaft zunehmend auch auf lokaler und kommunaler Ebene eine Rolle spielen. Vor Ort, in den Städten, wird der Islam in vielfacher Form sichtbar, wird er zum Thema der kommunalen Politik, treten Muslime öffentlich in Erscheinung bzw. werden Stadtbewohner als Muslime angesprochen, werden neue Integrations- und Religionspolitiken umgesetzt oder werden die Beziehungen von Muslimen un…

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Business Improvement Districts: Globale Verbreitung und Kontextualisierung eines neuen Modells subkommunaler Steuerung

Siemens-Campus: räumliches Monitoring zum Siemens-Campus in Erlangen

Stadt von rechts! Zur Frage rechter Stadtnarrative und deren Reproduktion in organisierter politischer (Alltags-)praxis.

GONACI: Governing the Narcotic City. Imaginaries, Practices and Discourses of Public Drug Cultures in European Cities from 1970 until Today

Fortsetzungsantrag: suburban. Zeitschrift für kritische Stadtforschung

Zur ‚Lesbarmachung‘ und Produktion von Kalkulierbarkeit städtischer Räume: ein kritischer Blick auf Smart Cities

Im Rahmen desPromotionsvorhabens beschäftigt sich Christian Eichenmüller mit der Lesbarkeit und Kalkulierbarkeit städtischer Räume, die im Kontext der Digitalisierung städtischer Infrastruktur einen neuen Schub erfährt. Das Ausmaß von ‚Lesbarmachung‘ und Kalkulierbarkeit städtischer Räume ist nicht einfach gegeben, sondern wird aktiv produziert. Zur Lesbar- und Sichtbarmachung und zur Herstellung von Kalkulierbarkeit urbaner Räume bedarf es Einheiten, die identifiziert, dokumentiert, gezählt und ü…

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Beteiligte Wissenschaftler:

Publikationen:

Kulturelle und politische Geographien von Identität und Differenz

Kulturelle und Politische Geographien von Identität und Differenz

In diesem Forschungsbereich untersuchen wir am Erlanger Lehrstuhl für Kulturgeographie, wie die Herstellung bestimmter Räume verschränkt ist mit bestimmten Politiken und der (Re-)Produktion gesellschaftlicher Differenzierungen und Identitäten

Projekte:

Konfigurierungen von Islam und Muslimen auf lokaler Ebene in Deutschland

Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass der Islam und die Muslime in der durch Migration geprägten Gesellschaft zunehmend auch auf lokaler und kommunaler Ebene eine Rolle spielen. Vor Ort, in den Städten, wird der Islam in vielfacher Form sichtbar, wird er zum Thema der kommunalen Politik, treten Muslime öffentlich in Erscheinung bzw. werden Stadtbewohner als Muslime angesprochen, werden neue Integrations- und Religionspolitiken umgesetzt oder werden die Beziehungen von Muslimen un…

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IMAGEUN: Im Spiegel der Europäischen Nachbarschaft(spolitik): Geographische Imaginationen einer Komplexen Makroregion

Die Europäische Union befindet sich in einer Phase erheblicher räumlicher und sozialer Umstrukturierung: sie hat sich durch den Beitritt von 14 ost- und südeuropäischen Ländern seit 2004 territorial vergrößert und sich mit dem Lissabon-Vertrag eine neue Verfassung gegeben; gegenwärtig versucht sie mit der Finanzkrise und dem Aufkommen von Nationalismus und Autokratie umzugehen. Gleichzeitig muss die EU erstmals den Verlust eines Mitglieds bewältigen. Dadurch verändert sich auch ihre „Nachbarschaft“ – nicht nur i…

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Idyllische Ländlichkeit - eine Analyse des Booms der "Landlust"

Von der neuen Lust am Ländlichen: In dem Promotionsprojekt untersucht Chrsitoph Baumann diehistorische Herausbildung idyllischer Ländlichkeit sowie ihre Rolle in der vom urbanen Leben geprägten Gegenwartsgesellschaft.

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Stadt von rechts! Zur Frage rechter Stadtnarrative und deren Reproduktion in organisierter politischer (Alltags-)praxis.

Producing Syrian Refugees in Jordan: Syrische Migrant*innen in Jordanien zwischen Grenzschutz, Humanitarismus und der Entscheidung zur (Re-)Migration nach dem EU-Jordan-Compact

Das Forschungsprojekt untersucht Prozesse der Produktion & Konfiguration unterschiedlicher Subjekt- und Raumkategorien im Kontext von Flucht & Migration im nördlichen Jordanien. Dabei wird das nördliche Jordanien als dynamischer Grenzraum bzw. Grenzlandschaft verstanden, welches zunehmend mehr in den Fokus der europäischen Migrationspolitiken rückt. Im Zentrum stehen dabei derzeit verstärkt syrische Geflüchtete, welche mit mit einem System differenzieller Inklusion infolge verschiedener disku…

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Beteiligte Wissenschaftler:

Publikationen:

 

Weitere 'externe' Doktoranden/innen (Kontakt über AG)

  • Nora Hahn-Hobeck MA, Erlangen
  • Lama’a Mahmoud Mohammed Al-Orainat MA, Aquaba (Jordanien)
  • Cate Turk MA, Perth (Australien)

Ehemalige Mitarbeiter/innen und Doktoranden/innen (Kontakt über AG)

  • Dr. Christoph Baumann (jetzt im Lehramt)
  • Dr. Christian Bittner (jetzt: Publikationsdienste und Forschungsdaten der Landes- und Universitätsbibliothek Bonn)
  • Adam Brailich, M.A.
  • Dr. Tim Elrick (jetzt: Leitung des Geographic Information Centre, McGill University, Montreal)
  • Dr. Henning Füller (jetzt: Akademischer Rat am Institut für Geographie der HU Berlin)
  • Dr. Mélina Germes (jetzt: Wissenschaftlerin im CNRS Bordeaux)
  • Prof. Dr. Shadia Husseini de Araújo (jetzt: Departamento de Geografia da Universidade de Brasília)
  • Dr. Günther Kramann
  • Prof. Dr. Boris Michel (jetzt: Professur für Digitale Geographie; Universität Halle)
  • Dr. Henning Schirmel (jetzt: DB AG, Berlin)
  • Dr. Andreas Tijé-Dra (jetzt: Stadt Nürnberg)
  • Dr. Betty Rouland (jetzt: Wissenschaftlerin im Institut de recherche sur le Maghreb contemporain de Tunis (IRMC))
  • Cate Turk M.A. (laufende Promotion)
  • Jun.-Prof. Dr. Florian Weber (jetzt: Universität des Saarlandes)

Aktuelle Meldungen

Kategorie: AG Glasze

Georg Glasze, Amaël Cattaruzza, Frédérick Douzet, Finn Dammann, Marie-Gabrielle Bertran, Clotilde Bômont, Matthias Braun, Didier Danet, Alix Desforges, Aude Géry, Stéphane Grumbach, Patrik Hummel, Kevin Limonier, Max Münßinger, Florian Nicolai, Louis Pétiniaud, Jan Winkler & Caroline Zanin (2022...

Die Mitgliederversammlung des Verbands für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen (VGDH) hat Ende Oktober Prof. Dr. Georg Glasze zum Vorsitzenden des „Nationalkomitee Deutschland der International Geographical Union (IGU)“ gewählt.